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13.08.2004: Vor zehn Jahren erzielte Jiri Nemec sein erstes Tor für Schalke

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Obwohl er anfangs Heimweh hatte, blieb Jiri Nemec von 1993 bis 2002 bei den Knappen. Neun Spielzeiten voller Hingabe, Einsatzwillen - und fast ohne Interviews. Jiri Nemec, der im Pokalspiel gegen Linx am 13. August 1994 sein erstes Pflichtspieltor für Schalke erzielte, zur Kultfigur wurde. Ein Stratege auf dem Platz, der nicht mit Journalisten sprach, aber eine Leidenschaft für Fußball besaß, die vorbildlich war.

33 Spiele hatte der 1,76 m große Mittelfeldakteur in seiner ersten Saison nach seinem Wechsel von Sparta Prag ins Ruhrgebiet für die Königsblauen bestritten. Unspektakulär, aber effektiv hatte er seine Arbeit verrichtet, ein Treffer war ihm dabei nicht gelungen. Erst im DFB-Pokal 1994/95 sollte der Bann gebrochen werden. In der Erstrundenpartie beim baden-württembergischen Oberligisten SV Linx traf Nemec in der 66. Minute mit einem sehenswerten Schrägschuss zum 1:1-Ausgleich, am Ende gewann das Team von Trainer Jörg Berger mit 2:1.

Fast wäre Nemec sogar noch der dritte Treffer der Schalker Elf an jenem Tag gelungen, doch sein Tor in der 90. Minute wurde wegen Abseitsstellung abgepfiffen. Zu allem Überfluss sah der Tscheche dafür die gelb-rote Karte. Trainer Berger nahm seine Nummer 20 bei der Pressekonferenz in Schutz: "Er hat gesagt, dass er den Pfiff nicht gehört habe."

Typisch Nemec - nicht er selbst informierte die Journalisten über die Entstehungsgeschichte, sie wurde durch einen Dritten übermittelt. "Kein Kommentar. Das ist meine Linie", teilte er stets den Medienleuten mit, die etwas von ihm wissen wollten. 256 Bundesligaspiele, 25 Europacup-Partien, 24 Pokalbegegnungen, insgesamt acht Pflichtspieltore für Schalke und null Interviews für externe Medienvertreter. Die Leistungen auf dem Platz sollten für sich sprechen.

Und da verlor Nemec kaum einen Zweikampf verlor rackerte unermüdlich für das Kollektiv. Dabei sah er immer so aus, als ob er bereits eine kräftezehrende Trainingseinheit am Vormittag hinter sich gebracht hätte. Wenn er mit hängenden Schultern und seinem Fünf-Tage-Bart über den Rasen trottete, bekamen die Zuschauer den Eindruck, der Schwermut würde ihn noch vor dem Schlusspfiff dahinraffen. Nach dem Anpfiff war davon nichts mehr zu spüren.

Nemec war der erklärte Lieblingsspieler von Rudi Assauer. "Der Stratege" adelte der Manager den zweifachen Familienvater, zu dessen Trophäensammlung ein UEFA-Cup-Sieg (1997), zwei DFB-Pokalerfolge (2001 und 2002), zwei tschechische Meistertitel mit Sparta Prag, ein Pokalerfolg mit Dukla Prag sowie einer mit Sparta Prag gehört. Zudem stand der tschechische Fußballer des Jahres 1997 mit der Nationalelf seines Heimatlandes 1996 im Finale um die Europameisterschaft, das die Osteuropäer mit 1:2 nach Golden Goal gegen Deutschland verloren.

Auch bei Spielen für sein Heimatland mied Nemec anscheinend den Torschuss. Bei 84 Einsätzen war er lediglich einmal erfolgreich. "Wenn er das auch noch könnte, würde er gar nicht in Schalke, sondern für viel Geld in Italien spielen", pflegte Rudi Assauer zu sagen. Und Fans in der Schalker Nordkurve scherzten: "Der sucht selbst beim Elfmeter den besser postierten Mitspieler."

Einen weiteren Spitznamen verschaffte Nemec Mitspieler Mike Büskens. Wegen seiner Ähnlichkeit zum Schlagersänger Guildo Horn, der sich augenzwinkernd von seinen Fans "Meister" nennen ließ, ging Büskens nach einem Traumtor seines tschechischen Kollegen auf die Knie und rief "Meister!". So sehr Nemec diesen Namen auch loszuwerden suchte, schon bald hatte er sich in der Schalker Fankurve durchgesetzt.

Als Nemec 2002 das Ruhrgebiet verließ, war die Trauer groß. Hatten die Anhänger die Bedeutung des Tschechen für das Schalker Spiel in den ersten Jahren unterschätzt, so wussten sie nun, wie wertvoll der Meister war. Nemec erging es nicht anders. Er hatte in Gelsenkirchen seine zweite Heimat gefunden, und das nicht nur, weil er hier seiner Leidenschaft gut frönen konnte. Ähnlich wie den Fußball schätzt Nemec Autos, vorzugsweise deutsche Nobelkarossen.

Und vielleicht gibt es in wenigen Tagen ein Wiedersehen, wenn die Knappen bei Slovan Liberec das zweite UI-Cup-Finale bestreiten. Beim selben Duell im letzten Jahr hatte Jiri seinem Verein live vor Ort die Daumen gedrückt.

       
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