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12.07.2004: Vor 30 Jahren wurde Hannes Bongartz verpflichtet
Helmut Kremers und Norbert Nigbur, gerade als Weltmeister nach Gelsenkirchen zurückgekehrt, wollten es sofort wissen: "Hast du den Hannes Bongartz gekauft?", fragten sie ihren Präsidenten. Günter Siebert konnte erst am 12. Juli 1974 Vollzug melden: Für 770.000 Mark zog der Mittelfeldspieler den Wattenscheider Dress aus und das Trikot der Schalker an. Finanziert wurde der Coup durch die "Bongartz-Mark".
Der damals 22-Jährige war 1971 aus seiner Heimatstadt Bonn zu Wattenscheid 09 gewechselt. Im Lohrheidestadion ließ er sein großes Spielverständnis aufblitzen und führte das Regionalliga-Team bis in die Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Trainer Ivica Horvat lobte: "Wir haben das große Los gezogen. Er ist der beste deutsche Mittelfeldspieler." Und Siebert strahlte: "Jetzt haben wir eine Mannschaft, mit der wir sogar Bayern München Konkurrenz machen können."
Allerdings hatte die Aktion seinen Preis. Siebert rechtfertigte die hohe Ablösesumme durch die Forderung der Fans, den blonden Mittelfeldstrategen unbedingt ins Parkstadion zu lotsen, selbst wenn das einen Anstieg der Eintrittspreise zur Folge hätte. Gesagt, getan: Die so genannte "Bongartz-Mark" wurde eingeführt. Für die erste Halbserie der Saison 1974/75 wurden die Sitzplatzpreise (14 bis 27 DM) um zwei DM und der Stehplatzpreis um eine auf sechs DM erhöht.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten mauserte sich der "Spargeltarzan" - Bongartz bekam den Spitznamen wegen seiner langen, schlaksigen Figur und den dünnen Beinen - zu einem erstklassigen Spielgestalter. Zusammen mit Branko Oblak bildete er ein gefährliches Mittelfeld-Duo, das großen Anteil am zweiten Platz in der Bundesliga-Saison 1976/77 hatte. Bongartz wurde Nationalspieler und stand 1976 im EM-Finale gegen die Tschechoslowakei. Bei der Niederlage im Elfmeterschießen verwandelte der Schalker seinen Strafstoß sicher.
Ende der 1970er Jahre jedoch brach die Schalker Mannschaft auseinander. Oblak wurde nach München verkauft, Torwart Nigbur ging nach Berlin, und Bongartz ließ der Verein nach Kaiserslautern ziehen. Unter seinem ehemaligen Wattenscheider Trainer Karl-Heinz Feldkamp, der mittlerweile in der Pfalz seine Brötchen verdiente, blühte der Mann mit der Pferde-Lunge und den schnellen Beinen weiter auf. Mit ihm als Dreh- und Angelpunkt im Zentrum landete der Club zweimal in der Liga auf Platz drei und erreichte 1981 das DFB-Pokalfinale, was der FCK mit 1:3 gegen Frankfurt verlor.
Als Feldkamp 1982 den Verein verließ, ging es auch mit Bongartz bergab. Stärker werdende Rückenschmerzen zwangen den 32-Jährigen 1983 zur Beendigung seiner Karriere nach 298 Bundesligaspielen (131 für Schalke) und 39 Toren (Schalke: 24).
Der Mann, der für seine Weggefährten noch heute ein "tofter Kerl" und "prima Kumpel" ist, wurde anschließend Trainer. Er betreute zunächst den 1. FC Kaiserslautern, führte Wattenscheid in der 1990er Jahren in die Bundesliga und coachte anschließend den MSV Duisburg und Borussia Mönchengladbach, ehe er 1998 wieder in seine sportliche Heimat Wattenscheid und zu Ziehvater Klaus Steilmann zurückkehrte. Dort arbeitete er bis zum Sommer 2004. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga erklärte er seinen Rücktritt.
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