|
28.06.2004: Vor 32 Jahren wurde Schalke Vizemeister
Es wäre die Krönung einer sensationellen Saison gewesen. Punktgleich gingen Schalke 04 und Kontrahent Bayern München in den letzten Spieltag der Saison 1971/72. Der Spielplan des DFB bescherte der Bundesliga ein echtes Endspiel. In München hatten die Knappen am 28. Juni 1972 die Möglichkeit, mit einem Sieg den achten Titel an den Schalker Markt zu holen - doch am Ende siegten die Bayern mit 5:1.
Besonders ärgerlich für das junge Team von Trainer Ivica Horvat: In allen anderen Spielzeiten vor 1972 hätten die 52:16 Punkte, die die Königsblauen nach dem 34. Spieltag aufwiesen, zum Titel gereicht. 22 Spieltage hatte Schalke Rang eins belegt, aber am Ende triumphierten die Bayern.
Zwar ging der Sieg der Roten an diesem Tag in Ordnung, die Meisterschaft hingegen hätten auch die Blau-Weißen verdient. Die jungen Himmelsstürmer um die Routiniers Stan Libuda und Heinz van Haaren boten in der Spielzeit einen herzerfrischenden Fußball, verspielten allerdings im Frühjahr den Titel. Auf jeweils schwer bespielbarem Geläuf unterlagen die Knappen beim MSV Duisburg, Werder Bremen und Hertha BSC Berlin. Platzverhältnisse, die dem technisch anspruchsvollen Kombinationsspiel der Schalker nicht entgegenkamen.
Zudem schwebte bereits der Bundesliga-Skandal wie ein Damokles-Schwert über Horvats junger Elf. Jürgen Sobieray war zwar noch nicht verurteilt worden, doch auf Intervention vom DFB verzichtete der Verein auf den Einsatz des Verteidigers. Die Verunsicherung innerhalb der Mannschaft wurde größer.
Trotz dieser Umstände ging Coach Horvat ging mit gutem Beispiel voran und erkannte die Leistung des Gegners nach dem 1:5 an: "Die Bayern besitzen eine erstklassige Mannschaft. Nach dem 3:1 und der Verletzung von Nigbur war alles entschieden. Wir sind noch nicht routiniert genug." In der 69. Minute musste der überragende Schalker an diesem Tag den Ball zum dritten Mal passieren lassen und verletzte sich dabei so schwer, dass er nicht weiterspielen konnte.
Ein Blick auf die Tabelle hätte den Verlauf der ersten 30 Minuten des Endspiels erahnen lassen können. Der treffsicherste Angriff der Liga (Bayern mit 96 Toren) drückte, doch die beste Abwehr (Schalke 04 mit 30 Gegentoren) hielt der Offensive des Gegners stand. Allen voran Norbert Nigbur musste einige Mal Kopf und Kragen riskieren, um die Mitspieler vor einem Rückstand zu bewahren. Da zudem Rolf Rüssmann (Sepp Herberger: "Er hat eine Zukunft in der Nationalmannschaft!") Gerd Müller im Griff hatte, mussten das Team um Franz Beckenbauer bis zur 31. Minute warten, ehe die nicht unverdiente Führung fiel.
Rechtsverteidiger Hansen bugsierte nach einer Ecke den Ball über die Linie. Als dann auch noch Paul Breitner vier Minuten vor der Pause in Anschluss an einen Doppelpass mit Müller erfolgreich war, schien die Partie gelaufen. Bis zur 55. Minuten glaubten nur noch die Optimisten an die Wende, ein Fehler von Maier ließ jedoch neue Hoffnung im Fan-Block der Schalker entstehen. Klaus Fischer nutzte den Patzer vom Nationaltorwart - er ließ den Ball nach einer Ecke fallen - und erzielte den Anschlusstreffer.
In der Folgezeit hielt Nigbur mit guten Paraden die Gäste im Spiel, und Heinz van Haaren hatte mit einem Distanzschuss die Möglichkeit zum Ausgleich. 21 Minuten vor dem Ende war die Partie allerdings entschieden. Nach einem Steilpass von Müller spitzelte Wilhelm Hoffmann den Ball an Nigbur vorbei ins Tor. Zu allem Überfluss verletzte sich der Schlussmann der Knappen bei dieser Situation und musste gegen Helmut Pabst ausgetauscht werden.
Für den 21-Jährigen war es der erste Auftritt in der Bundesliga. Sein Debüt war alles andere als erfreulich, zweimal musste der Youngster in den letzten 20 Minuten hinter sich greifen. Uli Hoeneß markierte den 100. Saison-Treffer für den neuen Meister, den 5:1-Endstand stellte Beckenbauer her.
Bayern München - FC Schalke 04 5:1 (2:0)
Bayern: Maier, Hansen, Breitner, Schwarzenbeck, Beckenbauer, U. Hoeneß, Roth, Hoffmann, Krauthausen, Zobel, Müller
Schalke: Nigbur (70. Pabst), Huhse, Lütkebohmert, Rüssmann, Fichtel, Fischer, E. Kremers, Scheer, H. Kremers, van Haaren, Libuda
Tore: 1:0 Hansen (31.), 2:0 Breitner (40.), 2:1 Fischer (55.), 3:1 Hoffmann, 4:1 Hoeneß (80.), 5:1 Beckenbauer (90.)
Zuschauer: 79.012
SR: Horstmann
|