22.06.2004: Vor 63 Jahren verlor Schalke trotz 3:0-Führung das DM-Finale

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Bittere Niederlage im Endspiel um die Großdeutsche Meisterschaft am 22. Juni 1941: Schalke 04, Favorit und Titelverteidiger, verlor gegen Rapid Wien mit 3:4. Die Partie vor 95.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion, ausgetragen am Tage des deutschen Überfalls auf Russland, besaß allerdings einen faden Beigeschmack. Die Schalker, die nach 57 Minuten bereits mit 3:0 führten, witterten einen Betrug.

Wollten die Nationalsozialisten einen österreichischen Meister, den ersten nach der Vereinigung des Alpenstaates mit Deutschland? Zumindest sorgten zwei vom Stuttgarter Schiedsrichter Reinhardt verhängte und umstrittene Elfmeter - einer wurde nicht verwandelt - neben zwei Freistoß-Toren aus 16 und 18 Metern dafür, dass das Blatt sich wendete. Die Knappen agierten im Gefühl des sicheren Sieges leichtsinnig, und Torwart Hans Klodt erwischte nicht seinen besten Tag.

Von der ersten Minute an spielten die Knappen die Vertreter Rapid Wiens an die Wand. Mit schnellen Kombinationen und einer traumwandlerischen Sicherheit erarbeiteten sie sich die ersten Möglichkeiten. Und es dauerte lediglich sechs Minuten, da lag der Ball zum ersten Mal im Netz der Österreicher. Ötte Tibulsky schlug einen Freistoß in den gegnerischen Strafraum, es entstand ein kleines Durcheinander, das Heinz Hinz zum Führungstreffer nutzte.

Kaum saßen die Zuschauer nach dem Jubeln über das erste Tor der Schalker wieder auf ihren Plätzen, lag der Ball schon wieder im Kasten von Rapid-Keeper Raftl. Hinz flankte von Außen in die Mitte, wo Hermann Eppenhoff zur Stelle war - 2:0 (7.).

Kurz vor dem Seitenwechsel überschlugen sich die Ereignisse. Erst hatte Szepan die große Möglichkeit zum 3:0, setzte den Ball aber neben das Tor. Fast im Gegenzug Elfmeter für Rapid: Tibulsky foulte Binder, der den Strafstoß jedoch verschoss.

Nach der Pause wollten die Königsblauen die Entscheidung erzwingen. Und in der 57. Minute sah es auch so aus, als stünde der Deutsche Meister des Jahres 1941 fest. Sekunden vorher hatte Skoumal bei einem Schuss von Eppenhoff für seinen geschlagenen Schlussmann noch auf der Linie retten können, nun war Raftl zum dritten Mal geschlagen. Linksaußen Hinz traf im Nachschuss zum 3:0.

Doch in den folgenden Minuten wurde Fußballgeschichte geschrieben - sehr zum Leidwesen der siegesgewissen Schalker: Innerhalb von elf Minuten (60. bis 70.) drehten die Wiener die Partie. Ein Tor von Schors und drei Treffer vom schussgewaltigen Franzl "Bimbo" Binder (zwei Freistöße und ein Elfmeter) machten aus einem 3:0 ein 3:4. Torwart Hans Klodt verhielt sich bei beiden Freistoßtoren alles andere als clever.

In den letzten Spielminuten sah sich Raftl wütenden Angriffen der Schalker gegenüber. Doch entweder waren die Schüsse zu ungenau, oder die vielbeinige Rapid-Abwehr konnte die Gefahr bannen. Zudem hatte Szepan mit einem Pfostenknaller Pech. - Rapid nahm die Viktoria mit nach Wien.

In den Wochen danach wurde so ausführlich wie noch nie über das Endspiel diskutiert, nach dem ein erzürnter Ernst Kuzorra sogar beim offiziellen Bankett noch von Schiebung sprach und die Annahme der Ehrennadeln verweigerte. Dies tat an seiner Stelle Fritz Szepan - und erhielt einen nicht druckreifen Kommentar seines Schwagers Kuzorra. Auf Seiten der Wiener strickte man hingegen die Legende, dass Matchwinner Franz "Bimbo" Binder am Tag nach dem Spiel zur Front strafversetzt worden sei. Ein Umstand, den der Rapid-Kapitän in allen Rückblicken unerwähnt ließ. Wahrscheinlicher ist eine "fußballerische" Erklärung. Im Gefühl des sicheren Sieges ließen die Knappen die Zügel schleifen, während die für ihren Kampfgeist bekannten Wiener sich noch einmal aufbäumten. Oder wie es Ötte Tibulsky Jahrzehnte später salomonisch formulierte: "Zwei Elfmeter und ein Freistoß entnervten uns. Ob uns der Schiedsrichter die dritte Meisterschaft in Folge vermasseln wollte? Dennoch ein Kompliment an Bimbo Binder: Wie der knallen konnte!"

Rapid Wien - Schalke 04 4:3 (0:2)

Rapid: Raftl, St. Wagner, Sperner, F. Wagner, Gernhardt, Skoumal, Fitz, Schors, Binder, Dworacek, Pesser

Schalke: H. Klodt, Bornemann, Schweißfurth, Füller, O. Tibulsky, Gellesch, Burdenski, Szepan, Eppenhoff, Kuzorra, Hinz

Tore: 0:1 Hinz (6.), 0:2 Eppenhoff (7.), 0:3 Hinz (57.), 1:3 Schors (60.), 2:3 Binder (62.), 3:3 Binder (63./Elfmeter), 4:3 Binder (70.)
Zuschauer: 95.000
SR: Reinhardt

       
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