|
02.01.2004: Vor 40 Jahren wurde Ingo Anderbrügge geboren
Geboren in Datteln, sieben Jahre für Borussia Dortmund gespielt, große Sympathien für Borussia
Mönchengladbach gehabt: Kann so ein Fußballer Publikumsliebling auf Schalke werden? Ja, er kann - zumindest
wenn er Ingo Anderbrügge (*2. Januar 1964) heißt.
Der Abschied von UEFA-Cup-Siegern fällt nie leicht. Mit Ingo Anderbrügge und Mike Büskens verabschiedeten
sich in der Winterpause 1999/2000 gleich zwei "Helden von Mailand", die 1997 den Pott aus Mailand in die Pott
holten. Anderbrügge wechselte nach 292 Bundesligaspielen (214 für Schalke) zum Regionalliga-Tabellenführer
Sportfreunde Siegen, Büskens veränderte sich zum MSV Duisburg.
Mit den Namen Ingo Anderbrügge verbinden Schalker in erster Linie seinen "linken Hammer". Spektakuläre
Weitschüsse waren das Markenzeichen des offensiven Linksfußes, der 1988 von Borussia Dortmund zum damals in
die 2. Liga abgestiegenen FC Schalke 04 wechselte. "Ich kam als junger Mann bei Dortmunds Trainer Reinhard
Saftig nicht zum Zug", erinnert Anderbrügge, der damals gerne zu seinem damaligen Lieblingsverein Borussia
Mönchengladbach gewechselt wäre, doch Jörg Neun blockierte seine Position am Bökelberg.
Eine glückliche Fügung, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. Anderbrügge heuerte bei den Königsblauen
an und feierte 1991 den Aufstieg in die Bundesliga. Ein Erfolg, der eng mit dem Namen Anderbrügge verknüpft
ist. Mit 36 Toren belegt er noch heute den ersten Platz in der Schalker Zweitligastatistik. Natürlich hoffen
die Schalker, dass diese Marke nie gebrochen wird.
Und auch in der Bundesliga-Bestenliste ist Anderbrügge, der beim Germania Datteln und der Spielvereinigung
Erkenschwick fußballerisch ausgebildet wurde, ganz vorn zu finden. Hier belegte er den fünften Platz,
lediglich geschlagen von Offensiv-Größen wie Klaus Fischer, Ebbe Sand, Olaf Thon und Erwin Kremers. Er traf
46 Mal in Schwarze.
Unvergessen sein 1:0 am letzten Spieltag der Saison 92/93 gegen die Bayern. Aus 35 Metern durchkreuzte er die
Münchner Meisterträume. "Eine Fackel, der Schuss schlug wie eine Bombe ein", beschreibt Andreas Müller. Noch
wichtiger sollte Anderbrügges Treffsicherheit vom Elfmeterpunkt werden. 20 Strafstöße verwandelte er in der
Bundesliga, den wichtigsten allerdings im UEFA-Cup am 21. Mai 1997. Ingo Anderbrügge eröffnete das
Elfmeterschießen im Endspiel in Mailand - und das nach zwei Fehlschüssen während der Saison in der Liga.
Der erste Elfer in San Siro saß, natürlich mit der "linken Klebe" und psychologisch ganz wichtig für den
späteren Triumph.
Zwei Jahre später war die Karriere von Ingo Anderbrügge auf Schalke zu Ende. In dem Herbst seiner Karriere
wurde noch einmal deutlich, dass Anderbrügge zwar kein Mann vieler Worte ist, dass er bei einer für ihn
unbefriedigenden Entwicklung jedoch vehement seine Meinung vertreten kann. Weil Trainer Huub Stevens ihn
langsam ausmusterte, schlug er kräftig auf den Tisch. Ein typischer Westfale eben.
Wie groß die Wertschätzung der Schalker Anhänger für den Eurofighter ist, zeigte sich kurz nach seiner von
ihm initiierten Vertragsauflösung. Bei der Wahl zur Jahrhundert-Elf landete Anderbrügge in der Startformation.
Er konnte sich vor so renommierte Persönlichkeiten wie "Spargeltarzan" Hannes Bongartz, Jiri Nemec oder
Herbert Burdenski setzen. "Dass ich als Junge aus dem Revier und einziger Nichtnationalspieler in die
Jahrhundert-Elf gekommen bin. Das hat für mich einen sehr hohen menschlichen Wert. Da weiß man, wofür man
jedes Spiel und jedes Trainingslager gemacht hat." Seine sportliche Karriere endete allerdings nicht in
Siegen. Nach Abschluss seiner Fußballer-Laufbahn wurde Anderbrügge Kicker bei den American Footballern von
Rhein Fire.
|