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Waldemar Gerhardt schoss das zweite Schalker Bundesligator überhaupt
"Wünsche Jungs den Mut, gegen
den BVB richtig Gas zu geben!"
Sein Weg konnte eigentlich nur zu Schalke 04 führen. Gerade einen Steinwurf von der
Glückauf-Kampfbahn entfernt wurde Waldemar Gerhardt 1939 geboren. Im Meisterjahr 1958 gehörte
er als Youngster zum erweiterten Aufgebot, in der Endphase der Oberliga profilierte sich der
Halblinke als torgefährlicher Mittelfeldspieler und half mit, das erste Bundesliga-Derby gegen
den BVB zugunsten der Knappen zu entscheiden. Im Schalker Kreisel erinnert sich der 64-jährige
Pensionär an seine Jahre im königsblauen Trikot.
Waldemar Gerhardt, können Sie sich noch an das erste Schalker Bundesliga-Derby gegen Borussia
Dortmund erinnern?
Ich muss dabei gewesen sein, denn in dieser Saison habe ich alle 30 Spiele absolviert. Aber
konkrete Erinnerungen verbinde ich mit dieser Partie ehrlich gesagt nicht.
Die Knappen haben in der Glückauf-Kampfbahn immerhin 3:1 gewonnen, Sie den wichtigen Treffer zum
2:1 erzielt!
Doch, das ist richtig. Das allererste Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart ist mir allerdings
stärker im Gedächtnis haften geblieben. Die Stuttgarter waren richtig gut, aber wir haben die
Tore geschossen und 2:0 gewonnen. Willi Koslowski gelang der erste Treffer, den zweiten legte
er mir vor.
Welche Vorstellungen machte man sich damals von der Bundesliga?
Für uns kam die ganze Entwicklung überraschend, wir waren damit gar nicht so einverstanden.
Mit der Oberliga West waren wir zufrieden. Es war eine starke Liga mit kurzen Wegen. Letztlich
war die Bundesliga natürlich ein Glücksfall für den Fußball.
Welchen Charakter hatten die Derbys zwischen königsblau und schwarz-gelb zu Ihrer Zeit?
Der hat sich zu heute nicht groß geändert. Damals wurden die Emotionen vielleicht nicht so
hochgespielt. Der Kontakt zu den anderen Mannschaften war gut. Ein Spiel gegen Borussia Dortmund
war allerdings von größerer Brisanz als eine Partie gegen den 1. FC Köln. Da spielten
schließlich Westfalen gegeneinander.
Wobei sich die Kräfteverhältnisse in den beiden Bundesligajahren, in denen Sie für Schalke
aufliefen, änderten.
Tatsächlich, die drei Partien nach dem Auftaktsieg haben wir sämtlich verloren. Einmal stand
es sogar nach einer halben Stunde 0:6 gegen uns. Da hat uns der BVB total überrollt. Bei diesem
Spiel war ich allerdings verletzt.
Wie haben Sie den Weg zu Schalke 04 gefunden?
Ganz einfach: Ich bin in der Uechtingstraße in unmittelbarer Nähe zur Glückauf-Kampfbahn
geboren. Da lag der Weg zu Schalke 04 nahe. 1947 bin ich in den Verein eingetreten, habe dann
alle Jugend- und Reservemannschaften durchlaufen, bis ich in der Saison 1959/60 zu meinem Debüt
in der Oberliga gekommen bin.
In dieser Saison löste der Ungar Nandor Lengyel Meistertrainer Edi Frühwirth ab.
Wobei ich sagen muss, dass Edi Frühwirth ein hervorragender Trainer war, der mich gut aufgebaut
hat. Lengyel führte neue Trainingsmethoden ein, die die Mannschaft zunächst begeisterte. Aber
wahrscheinlich war er zu weich, um ein wirklich erfolgreicher Coach zu werden.
Welche Position haben Sie eingenommen?
Ich habe immer halblinks gespielt.
Sie gehörten allerdings nicht nur zur ersten Schalker Bundesligaformation, sondern auch zur
Mannschaft, die ein Jahr später eigentlich abgestiegen war, am grünen Tisch den Klassenerhalt
schaffte. Was waren die Ursachen?
Noch heute sitzen wir Spieler manchmal zusammen und rätseln: Ich weiß es nicht. Die Mannschaft
war damals eigentlich viel zu gut besetzt.
Wie ging es für Sie persönlich weiter?
Ich habe ab1965 noch fünf Jahre für Fortuna Düsseldorf gespielt, mich aber ab 1970 auf meinen
Beruf als Sportlehrer konzentriert und Mannschaften in der höchsten Amateurklasse trainiert.
Sie leben auch heute in Düsseldorf. Welchen Kontakt haben Sie noch nach Schalke?
Ich besitze eine Dauerkarte für die Arena im Block X, sehe mir fast jedes Spiel an und treffe
mich unter der Woche häufig mit ehemaligen Freunden von damals. Willi Koslowski, Manni Kreuz
und Heiner Kördell sind z. B. dabei.
Mit Kalli Borutta und Helmut Jagielski sind allerdings zwei ehemalige Meisterspieler im letzten
Jahr gestorben.
Diese Nachrichten haben uns sehr erschüttert. Mit Kalli Borutta lag ich bei der Fahrt zum
Pokalfinale 2001 noch auf einem Zimmer. Nichts deutete auf eine Erkrankung hin. Auch das mit
"Jackel" kam total überraschend.
Wie sehen Sie die aktuelle Mannschaft?
Die spielt einen hervorragenden Fußball - leider zumeist auswärts. Der Sieg gegen den VfB
Stuttgart war ein Spiel, bei dem einen das Herz aufgeht. Realistisch ist Platz vier oder fünf.
Wenn alles gut läuft, kann auch Rang drei oder zwei herausspringen.
Was erwarten Sie sich vom ersten Derby 2003 zwischen Schalke und Dortmund?
Es wird emotionsgeladen sein. Dazu wünsche ich mir, dass es kein taktisches Geplänkel wird.
In den letzten Jahren war Schalke doch sehr erfolgreich.
Das stimmt, doch ich würde mir wünschen, dass unsere Mannschaft den Mut hat, auch gegen den
BVB richtig Gas zu geben.
Ihr Tipp?
Wir gewinnen.
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