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1983 hieß das Motto bei Schalke 04: "Schnappt Shorty" Bernd Dierßen
Der Start mit Olaf und die Flucht vor Schafstall
Einmal Schalker - immer Schalker: Mit der heutigen Ausgabe zeichnet der Schalker Kreisel in
loser Folge die Spuren ehemaliger königsblauer Hauptdarsteller nach. Was ist aus ihnen geworden,
was machen sie heute und welche Erinnerungen bleiben an die eigene Zeit bei den Knappen? Den
Auftakt der neuen Serie macht einer, der zu jener Mannschaft gehörte, die eines der größten
Spiele der Vereinsgeschichte bestritt: das 6:6 im DFB-Pokalhalbfinale gegen Bayern München am
2. Mai 1984. Bernd Dierßen war der Spielmacher dieser Elf, derjenige, der den Freistoß herein
gab, in dessen Folge Olaf Thon das 6:6 schoss. Heute arbeitet der 43-Jährige bei einem
Bankinstitut in Niedersachsen und ist als Trainer des Bezirksligisten FC Germania
Egestorf/Langreder dem Fußball nach wie vor verbunden.
Bernd Dierßen, Ihr letzter Besuch in der Arena AufSchalke ist noch gar nicht so lang her: Sie
waren einer der Ehrengäste beim Abschiedsspiel von Olaf Thon. Wie hat Ihnen die neue Schalker
Spielstätte gefallen?
Die durfte ich ja schon einmal in Augenschein nehmen, beim letzten Spiel der abgelaufenen
Saison gegen den VfL Wolfsburg auf Einladung von Rudi Assauer. Über die Einladung von Olaf
habe ich mich riesig gefreut, denn es ist ja ewige Zeiten her, dass ich für Schalke gespielt
habe. Für mich war das keine Selbstverständlichkeit. Außerdem fand ich, dass es für Olaf eine
tolle Veranstaltung und ein würdiger Abschied war. Somit bot sich die Gelegenheit zum
Wiedersehen mit ehemaligen Mitspielern: Gerd Kleppinger, der ja jetzt die Schalker Amateure
trainiert, Klaus Täuber, Manfred Drexler als Zeugwart der Nationalmannschaft, Enatz Dietz
und Tanne Fichtel.
Mit Olaf Thon verbindet Sie unter anderem, dass Sie 1983 im selben Sommer den Einstieg in den
Schalker Profikader wagten.
Wir hatten in gewisser Weise die gleiche Ausgangslage. Olaf rückte als A-Jugendlicher in den
Profikader, ich kam als Neuzugang von Hannover 96 und ging mit knapp 24 Jahren zum ersten Mal
von Zuhause weg.
Wie kam dieser Wechsel zustande?
Zunächst auf Initiative von Diethelm Ferner, der ja ebenfalls als Trainer von Hannover nach
Schalke wechselte. Letztlich geholt hat mich Rudi Assauer. Für mich war es ein sportlicher
Fortschritt, denn Schalke war zwar gerade abgestiegen, wollte aber unbedingt in die Bundesliga
zurück.
Diethelm Ferner verdanken Sie auch Ihren Spitznamen "Shorty".
Damals gab es in Hannover noch Bernd Gorski. Weil mitunter Verwirrung entstand, wenn der
Trainer Anweisungen hinein rief, hat er mich "Shorty", der Kleine, getauft. Selbst im
familiären Bereich werde ich heute noch so genannt.
Was machte die Stärke der damaligen Schalker Mannschaft aus?
Wir waren vor allem offensivstark, spielten in der Spitze mit Klaus Täuber als Reißer und
Brecher sowie mit Olaf Thon. Ich habe es eigentlich bedauert, dass Olaf sich relativ früh
ins Mittelfeld, später auf die Libero-Position zurückgezogen hat. Ich finde, dass dem deutschen
Fußball eine Stürmerhoffnung entgangen ist.
Sie waren damals der Spielmacher, der Andy Möller von 1983.
Allerdings hatte ich nicht diese Grundschnelligkeit wie Möller. Das war ohnehin mein großes
Manko.
Zweimal waren Sie nahe dran, den Sprung in den UEFA-Cup zu schaffen. Schmerzt es heute noch,
dass dieser Schritt nicht gelang?
Ein solcher Erfolg kann ein Schlüsselerlebnis sein. Ich glaube nicht, dass die jüngsten Schalker
Entwicklungen mit dem Bau der Arena so schnell möglich gewesen wären, wenn es den UEFA-Cup-Sieg
nicht gegeben hätte. Wir hätten auch die Europapokal-Teilnahme schaffen können, haben aber
einige Schlüsselspiele verloren. Wer weiß, welche Entwicklung wir damals sonst genommen
hätten.
Wieso sind Sie bereits nach vier Jahren wieder nach Hannover zurückgegangen?
Es gab damals den Streit zwischen Manager Rudi Assauer und Trainer Rolf Schafstall. Ich saß
zwischen den Stühlen, denn zu Assauer hatte ich fast ein freundschaftliches Verhältnis. Mit
dem Trainer lag ich nicht auf einer Wellenlänge. Um weiteren Konfrontationen zu entgehen, bin
ich gegangen. Schade, das war eigentlich zu früh. Noch zwei Jahre länger und ich wäre im
Ruhrgebiet heimisch geworden.
Wie verlief Ihre weitere fußballerische Karriere?
Ich habe noch zwei Jahre in der Bundesliga für Hannover 96 gespielt, übrigens zusammen mit
Andreas Müller. Dann zog ich mir einen Kreuzbandriss zu und beschloss, mich mit 30 Jahren vom
Profifußball zu verabschieden. Damals war es wichtig, nach der Karriere einen guten Einstieg
ins Berufsleben zu finden. Ich will mich nicht über unsere Gehälter beklagen, aber sie waren
mit den heutigen natürlich nicht zu vergleichen. Nach dem Abitur wollte ich eigentlich
Grundschullehrer werden, habe dann aber eine Laufbahn im kaufmännischen Bereich eingeschlagen.
Ihr schönstes Erlebnis im Schalker Trikot?
Das 6:6 gegen die Bayern in Verbindung mit dem Zweitligaaufstieg. Am Tag vor dem Pokalhalbfinale
hatten wir im Trainingslager das 5:4 der Gladbacher gegen Werder gesehen und gesagt: So ein
Spiel gibt es nur alle zehn Jahre... Das Spiel gegen die Bayern war auch deswegen so
unvergesslich, weil es so viele Gefühlsebenen gab. Es ging ständig rauf und runter.
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