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Nico Braun: Ein Luxemburger im Schalker Trikot verabschiedete sich mit einem wichtigen Tor
Libudas Zimmerpartner
Spieler aus vielen verschiedenen Ländern und mittlerweile drei Kontinenten haben in fast 100
Jahren das Trikot des FC Schalke 04 getragen. Aber keine Geschichte war ungewöhnlicher als die
von Nico Braun aus dem fußballerischen Zwergstaat Luxemburg. 1971 hatte er sich als 20-jähriges
Talent auf den Weg gemacht, um beim amtierenden Deutschen Meister Borussia Mönchengladbach ein
Probetraining zu absolvieren. Im Gespräch mit dem Schalker Kreisel erinnert sich der 52-Jährige,
der übrigens auch heute beim Spiel gegen den TSV München 1860 in der Arena AufSchalke sein wird,
warum er für zwei Jahre bei den Knappen landete.
Nico Braun, wie findet ein Luxemburger im Jahre 1971 den Weg zu Schalke 04?
Das war schon kurios, denn damals war der deutsche Fußball vielleicht der Beste der Welt. Der
erste Kontakt entstand über einen Schalker Anhänger, der einerseits mit meinem Jugendtrainer
bei Union Luxemburg befreundet war, andererseits den damaligen Schalker Präsidenten Günter
Siebert sehr gut kannte. Siebert war ich ein Begriff, weil er mich bei einem Spiel gegen die
deutsche Olympiaauswahl gesehen hatte, in dem mir zwei Tore gelungen waren. Aber besser waren
meine Kontakte damals eigentlich zu Mönchengladbach. Dort sollte ich an einem Dienstag ein
Probetraining machen. Das hörte Günter Siebert und meinte: "Dann kannst du ja am Montag zu uns
zum Vorspielen kommen!" Gesagt, getan. Nach dem Training bot mir der damalige Schalker
Geschäftsführer Hans Hörstermann plötzlich einen Vertrag an! Ich war ja nicht einmal volljährig,
rief also meinen Vater an. Der riet mir, dass ich den Spatz in der Hand nehmen sollte. Also
sagte ich Gladbach ab.
Wie wurden Sie in einer Mannschaft mit vielen großen Namen aufgenommen?
Sehr gut, vor allem von Klaus Fichtel und Stan Libuda. Er wurde mein fester Ansprechpartner und
von einem gewissen Zeitpunkt an war ich bei allen Fahrten Stans Zimmerpartner. Bei
Herzensangelegenheiten hat er sich oft an mich gewandt. Wir hatten ein so gutes Verhältnis,
dass er mich 1972 wochenlang zu überreden versuchte, mit ihm zu Racing Straßburg zu wechseln.
"Nico, ich kann doch kein französisch!" Vielleicht hätte ich damals tun sollen, aber ich sagte
ihm: "Stan, die wollen doch dich, nicht mich." Aber ich habe auch oft von ihm profitiert, nicht
nur als Fußballer. Er ließ sich oft auswechseln, damit ich noch eine Prämie erhalten konnte.
Statt eines Wechsels nach Frankreich trugen Ihre Tore ein Jahr nach Vize-Meisterschaft und
Pokalsieg in der von Sperren im Zusammenhang mit dem Bundesligaskandal geprägten Saison 72/73
zum Nicht-Abstieg bei. Können Sie sich noch an Ihr letztes von insgesamt elf Saisontoren
erinnern, das 2:0 gegen den HSV, das endgültig die Klasse sicherte?
Ehrlich gesagt weniger. Unvergesslich ist mir hingegen mein Siegtor in der 90. Minute in der
Saison zuvor beim 1. FC Köln, das uns im Rennen um die Meisterschaft hielt. Das war eine
Weltsensation in Luxemburg, dass jemand aus so einem kleinen Land solche Schlagzeilen in der
Bundesliga machte.
Warum haben Sie trotz einer beachtlichen Trefferquote von 14 Bundesligatoren in 35 Spielen
Schalke schon nach zwei Jahren wieder verlassen?
Ich war ein typischer Mittelstürmer, aber Schalke hatte so einen unglaublich guten Spieler
wie Klaus Fischer, der nach seiner Sperre wieder zurückkehren würde. Deswegen bin ich nach
Frankreich zum FC Metz gewechselt, obwohl ich noch ein Jahr Vertrag hatte. Heute denke ich
oft: Vielleicht hätte ich auf die Zähne beißen sollen. Doch auch bei Metz hatte ich einige
erfolgreiche Jahre (Noch heute ist Nico Braun dort mit 96 Toren bester Ligatorschütze der
Vereinsgeschichte. d. Red.), ging danach nach Belgien zum SC Charleroi, anschließend noch einmal
nach Frankreich, bevor ich meine Karriere bei Union Luxemburg ausklingen ließ. Und zu meinem
Abschiedsspiel 1983 kam der FC Schalke 04 mit dem jungen Olaf Thon.
Wie ist Ihr heutiger Kontakt zu Schalke 04?
Über einen Freund, der zwei Dauerkarten besitzt, sehe ich regelmäßig Spiele in der Arena
AufSchalke. Einmal saß Rolf Rüssmann, als er noch Manager beim VfB Stuttgart, durch Zufall
an Nachbartisch. Als wir aufstanden, sagte ich zu ihm "Rolf, wie geht's?" Er überlegte und
strahlte dann: "Nico, Nico Braun!" Ein schönes Erlebnis.
Wie gefällt Ihnen die Arena AufSchalke?
Damals wie heute wird die Mannschaft vom Publikum getragen. Mir stehen heute meine wenigen
Haare vor Begeisterung zu Berge, wenn ich in der Arena bin.
Welcher Spieler aus der aktuellen Mannschaft hat es Ihnen am meisten angetan?
Emile Mpenza. Wenn er gut drauf ist, hat er alles, was ein überragender Fußballer braucht. Von
der Einsatzbereitschaft gefällt mir Gerald Asamoah unheimlich gut.
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